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Enttäuschung
Seine Stimme wickelt sich um ihren Hals und schnürt ihr unerbittlich die Kehle zu.
Sie will schreien und wegpressen was ihr den Atem nimmt, doch nur ein hilfloses Keuchen entweicht aus ihrer Kehle und Tränen schießen unkontrolliert aus den Kanälen, laufen ihr die Wangen hinunter und brennen auf der Haut.
"Sydney? Ist alles in Ordnung mit Dir", fragt die Stimme am anderen Ende des Hörers, während sich endlich wieder etwas Sauerstoff in ihre Lungenflügel füllt und sie stammelt
"Ja, klar, es ist alles in Ordnung mit mir. Ich bin nur...sagen wir ...ein wenig überrascht Dich zu hören."
"Es tut mir leid, dass ich mich so lange nicht bei Dir gemeldet habe und auch nicht erreichbar war", erklärt er mit sanfter, ruhiger Stimme. "Aber ich hatte einen Autounfall und lag eine Weile im Krankenhaus. Ich bin dem Tod sozusagen gerade noch mal so von der Schippe gesprungen.
Aber Du weißt ja - Unkraut vergeht nicht."
Er lacht leise.
Sie schluchzt laut auf und abermals strömen ihr die Tränen übers Gesicht.
"Hey Sydney, nicht weinen. Es ist alles in Ordnung mit mir", redet er beruhigend auf sie ein, doch es fällt ihr schwer sich zu beruhigen.
Endlich fasst sie sich ein wenig und kramt mit der linken Hand in ihrer Handtasche herum, zieht eine Zigarette aus der Zigarettenschachtel und zündet sie leicht zitternd an.
"Du glaubst mir doch?", fragt er ein wenig unsicher.
Einen Moment herrscht Stille.
"Ja",antwortet sie dann. "Aber....".
"Aber was?"
"Ich dachte Du meldest Dich nicht mehr", erklärt sie mit kindlicher Stimme, die in seinen Ohren noch mit der durchlebten Enttäuschung behaftet ist.
"Wie kannst Du so was nur denken Kleines. Du weißt doch wie verrückt ich nach Dir bin." Wieder lacht er leise und sie legt ihre Stirn in Falten.
"Sehen wir uns?" Ihre süße Stimme kriecht durch seinen Körper und er spürt das Verlangen in seine Lenden schießen.
Es ist viel zu lange her, seit ich sie das letzte mal besucht und ihre üppigen Kurven gespürt habe, denkt er und schnalzt leise mit der Zunge.
"Ja, Du fehlst mir Süße", raunt er heiser.
"Liebst Du mich?", fragt sie jetzt leise, fast flüsternd.
"Klar liebe ich Dich. Nur Dich. Das weißt Du doch."
Es klingt fast ehrlich denkt sie und zieht an ihrer Zigarette.
Schade, dass es nur eine Lüge ist.
Eine von vielen Lügen. Eine von seinen vielen Beteuerungen, die sie immer zu hören bekommen hatte und auch glaubte...solange geglaubt hatte ...bis sie die Wahrheit erfuhr.
"Ich setze mich gleich ins Auto, dann bin ich in zwei Stunden bei Dir." erklärt er mit warmer, verführerischer Stimme.
"Ja", erwidert sie und fügt hinzu:
"Fahr vorsichtig!".
Sie legt den Hörer auf und drückt ihre Zigarette entschlossen und bestimmt im Aschenbecher aus, während jetzt ein zuversichtliches Lächeln ihre Lippen umspielt.
Er hat überlebt, aber das nächste Mal wird er ganz bestimmt nicht so glimpflich davon kommen!
© Sylvie Caputo-Grohne
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